Die Frau des Diplomaten (German Edition) by Jenoff Pam

Die Frau des Diplomaten (German Edition) by Jenoff Pam

Author:Jenoff, Pam [Jenoff, Pam]
Language: deu
Format: epub
Publisher: Readbox
Published: 2011-05-31T22:00:00+00:00


15. KAPITEL

Auf Zehenspitzen schleiche ich die Treppe hinunter und durch den dunklen Salon. Das einzige Geräusch im Haus ist das Ticken der Uhr auf dem Kaminsims. Zehn vor sechs. Noch zehn Minuten, dann werde ich mich auf den Weg machen. Vom Fenster aus sehe ich auf die Straße, die im Dunkel der Nacht liegt. In der Luft hängt der Geruch des Bratens vom Vorabend.

Ich drehe mich um und schaue zur Treppe, während ich gegen den Wunsch ankämpfe, noch einmal nach Rachel zu sehen. Früher an diesem Morgen stand ich in ihrem Zimmer und lauschte, wie sie ruhig und gleichmäßig atmete und zwischendurch im Schlaf etwas Unverständliches murmelte. Ich ging zu ihrem Bettchen und sah hinein, während meine Schuldgefühle fast übermächtig wurden. Wie kann ich sie nur allein lassen?, fragte ich mich, sagte mir aber sogleich, dass ich in ein paar Tagen zurück sein würde. Sie wird gar nicht merken, dass ich überhaupt weg war. Und eines Tages, wenn sie alt genug ist, kann ich ihr erzählen, warum ich mich auf diese Reise eingelassen habe. Ich gab Rachel einen letzten Kuss, dabei atmete ich tief ein, um ihren Geruch in mich aufzunehmen.

Ich darf jetzt nicht an Rachel denken, ermahne ich mich und gehe zu meinem kleinen Koffer, der neben der Tür steht. Da ich nicht wusste, was ich mitnehmen soll, habe ich genug eingepackt, um meine Kleidung zweimal wechseln zu können, außerdem ein paar Toilettenartikel. Ich greife nach meiner Handtasche, die auf dem Koffer steht, und überprüfe, ob alle Papiere da sind. Simon gab sie mir am Abend, als er heimkam. „Vom Minister“, sagte er und drückte mir in der Küche den Umschlag in die Hand.

Ich nahm ihn entgegen und war unschlüssig, ob ich ihn jetzt oder später öffnen sollte. „Simon, bitte. Ich weiß, du bist verärgert, aber ich brauche wirklich deine Hilfe.“

Seine Miene wurde tatsächlich etwas sanfter. „Darin befindet sich eine Liste mit wichtigen Kontaktdaten für Marcelitis, falls er einverstanden sein sollte, mit uns zu kooperieren“, erklärte er. „Männer, die für uns arbeiten. In der Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und Deutschland.“

„Der Minister war tatsächlich damit einverstanden, diese Namen herauszugeben?“

„Du hast gesagt, wir müssen ihm etwas bieten, um sein Vertrauen zu gewinnen. Das ist es, was wir ihm bieten. Mit der Liste wird Marcelitis in der Lage sein, sein Netzwerk zu festigen. Ich muss dir ja nicht erst erklären, wie wertvoll diese Angaben sind und was einige unserer Feinde dafür tun würden.“ Ich nickte und war sprachlos. Mir war wirklich nicht klar, dass ich solch wichtige Informationen mit mir herumtragen würde. „Außerdem befindet sich die Zugangsnummer zu dem Schweizer Konto in dem Umschlag. Ein halbe Million US-Dollar. Wir könnten uns mit dem Geld absetzen“, fügte er mit einem schiefen Lächeln hinzu, sodass ich für einen kurzen Moment überlegte, ob er das vielleicht ernst meinte. „Natürlich bekommt er das alles nur, wenn er den Dechiffrierer aushändigt.“

„Ja, natürlich.“ Ich hielt den Umschlag hoch. „Darf ich?“ Simon nickte, und ich holte einen Brief an einen gewissen Onkel George heraus, in dem der Verfasser von seinen Urlaubserlebnissen erzählt.



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